Das SISSY-Konsortium zeigt mit dem digitalen Steuerbarkeitscheck auf Basis intelligenter Messsysteme (iMSys) einen neuen, skalierbaren Weg zum Nachweis der Steuerbarkeit von Erzeugungsanlagen auf. Dieser Ansatz ermöglicht es, die grundsätzliche Steuerbarkeit effizient, netzdienlich und ohne physische Eingriffe oder testweise Abregelungen erneuerbarer Erzeugungsleistung nachzuweisen. Damit etabliert sich ein Verfahren, das insbesondere für große Anlagenbestände geeignet ist und den steigenden Anforderungen der Energiewende gerecht wird.
Regulatorischer Hintergrund und Herausforderung zum Steuerungscheck
Hintergrund ist die Novellierung des Energiewirtschaftsgesetzes (EnWG). Diese erfolgte im Februar 2025. Mit §12 Abs. 2b wurde der sogenannte „Steuerbarkeitscheck“ eingeführt. Dieser fordert den Nachweis, dass Anlagen im Bedarfsfall zuverlässig gesteuert werden können. Im Rahmen aktueller Leitlinien der Übertragungsnetzbetreiber, erfolgt der Steuerbarkeitscheck aktuell meist rein physisch über den messtechnischen Nachweis durch Wirkleistungsreduzierung.
In der praktischen Umsetzung bringt dieser Ansatz jedoch erhebliche Herausforderungen mit sich – insbesondere angesichts der wachsenden Zahl dezentraler Erzeuger wie Photovoltaikanlagen, Batteriespeicher, Wärmepumpen und Ladeeinrichtungen. Genau hier setzt der digitale Steuerungscheck an und bietet die deutlich effizientere und automatisierbare Alternative.
Technologischer Ansatz im Konsortium
Das zugrunde liegende Konzept wurde im Rahmen des vom BMWE geförderten SISSY-Konsortiums gemeinschaftlich entwickelt. Power Plus Communications leistet durch die Entwicklung von Soft- und Hardwarelösungen für die iMSys-Infrastruktur und die Einbindung standardisierter Kommunikationsprotokolle einen zentralen Beitrag.
Zum Einsatz kommen etablierte Technologien und Standards. Dazu zählen das EEBUS-Protokoll in Kombination mit WAN-Protokollen wie CLS-EEDI oder den DIN VDE V 0418-63-8 (COSEM-XML)-Standards. Neue Softwareentwicklungen waren nicht erforderlich, was ein klarer Vorteil im Hinblick auf Umsetzbarkeit und Skalierung darstellt.
Die Erprobung unter realen Bedingungen sowie die Validierung des Ansatzes erfolgen schrittweise. Nach erfolgreichen Tests in der Laborumgebung der TMZ in Erfurt wird das Verfahren aktuell unter realistischen Betriebsbedingungen erprobt. In weiteren Projektphasen sind Tests mit realen Anlagen vorgesehen, darunter produktive Photovoltaikanlagen der TMZ in Ilmenau.
Das Ziel besteht darin, die Praxistauglichkeit des digitalen Steuerbarkeitschecks umfassend nachzuweisen und eine belastbare Grundlage für den breiten Einsatz zu schaffen.
Vorteile des digitalen Steuerbarkeitschecks
- Nachweis der Steuerbarkeit gemäß § 12 Abs. 2b EnWG für steuerbare Erzeugungsanlagen.
- Funktionale Überprüfung der eingebauten Steuerungstechnik und -infrastruktur für steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG.
- Nutzung vorhandener Schnittstellen wie EEBUS, CLS-EEDI und DIN VDE V 0418-63-8 – keine neue Infrastruktur erforderlich.
- Keine Einspeiseverluste durch testweise Abregelungen erneuerbarer Erzeugungsanlagen.
- Deutlich reduzierter Aufwand bei der Durchführung des jährlichen Steuerbarkeitschecks.
- Sinnvolle Ergänzung zu bestehenden physikalischen Prüfmethoden.
Mit dem digitalen Steuerbarkeitscheck leistet PPC im Zuge des SISSY-Projekt einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung regulatorischer Anforderungen und zur praktischen Umsetzung der Energiewende. Der Ansatz zeigt, wie bestehende Infrastruktur intelligent genutzt werden kann, um neue gesetzliche Vorgaben effizient und zukunftssicher zu erfüllen.
In einem ausführlichen Whitepaper hat das SISSY-Konsortium die Forschungsfragen, Erkenntnisse und Test-Bedingungen zum Steuerungscheck zusammengetragen.




